Platooning ist bereit für den Alltagstest – davon ist Volkswagen Truck & Bus überzeugt. Nun beginnt die Probe aufs Exempel. MAN hat im Rahmen einer wegweisenden Kooperation erste Testfahrzeuge an den Logistik-Dienstleister DB Schenker übergeben. Schon bald sollen täglich Testfahrten stattfinden, im Laufe des Jahres 2018 bis zu drei Platoons täglich auf der A9 zwischen München und Nürnberg pendeln. Der Transport der Zukunft wird zunehmend über automatisiert fahrende, vernetzte Fahrzeuge erfolgen. Volkswagen Truck & Bus sieht Platooning daher als wichtigen Schritt auf dem Weg zum automatisierten Fahren.

Windschattenfahren verringert CO₂-Ausstoß und Treibstoffverbrauch um bis zu 10%.
Windschattenfahren verringert CO₂-Ausstoß und Treibstoffverbrauch um bis zu 10%.

Die Übergabe fand bei strahlendem Sonnenschein am Münchner MAN Stammsitz statt – ein metaphorisches Bild, legt man die strahlende Zukunft zugrunde, die Platooning beschieden sein dürfte. Ewald Kaiser, Chief Operating Officer von DB Schenker, und Professor Christian T. Haas von der Hochschule Fresenius nahmen symbolisch die Schlüssel für die neuen MAN Platooning-Fahrzeuge von Dr. Frederik Zohm, Vorstand Forschung und Entwicklung der MAN Truck & Bus AG, entgegen.

„Dass Platooning technisch funktioniert, haben wir in verschiedenen Vorgängerprojekten, wie 2016 in der European Truck Platooning Challenge, bereits bewiesen“, sagte Zohm. Nun sei man bereit für den nächsten Schritt: „Die Anpassung dieser Technologie an die realen Alltagsbedingungen von Logistik ist die Herausforderung, die wir jetzt angehen.“ Auch DB Schenker Chief Operating Officer Kaiser geht davon aus, dass automatisiertes und vernetztes Fahren den Straßengüterverkehr grundlegend verändern wird. Ein großer Schritt auf dem Weg dorthin ist das Platooning. Darunter versteht man ein Fahrzeug-System, bei dem mindestens zwei Lkw auf der Autobahn mit Hilfe von technischen Fahrassistenz- und Steuersystemen in geringem Abstand hintereinanderfahren können. Das führende Fahrzeug gibt Geschwindigkeit und Richtung vor, die Fahrer der folgenden Fahrzeuge können jederzeit die Kontrolle über ihren jeweiligen Lkw übernehmen.

Per Knopfdruck aktiviert der Fahrer den Platooning-Modus.
Per Knopfdruck aktiviert der Fahrer den Platooning-Modus.

Das in Deutschland einzigartige Projekt wird vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) gefördert, die wissenschaftliche Begleitung erfolgt durch die Hochschule Fresenius. Das Ziel: Der praktische Nutzen von Platooning soll systematisch erforscht und mit validen Daten untermauert werden. Am theoretischen Nutzen besteht indes kein Zweifel. Dank des Windschattenfahrens ist eine Kraftstoff-Einsparung von bis zu zehn Prozent möglich, was zu einer Reduzierung der CO₂-Emissionen in der gesamten Logistikkette führen kann.

Bei dem Kooperationsprojekt sollen erstmals keine MAN Fahrer zum Einsatz kommen. Die Trucks werden nach einer umfassenden Einweisung von Berufskraftfahrern der DB Schenker gesteuert. Die Schulung übernehmen Fachleute von MAN ProfiDrive, die auch mit Fahrsimulatoren arbeiten. Schon im April soll diese Phase abgeschlossen sein. Im Anschluss beginnt eine mehrere Monate dauernde Erprobungsphase mit Test-Platoons. Dann dürften Platoons auf der A9 zwischen München und Nürnberg zum Alltagsbild gehören.