„Wir haben uns das Ziel gesetzt, bis 2030 einen Personenverkehr ohne den Einsatz fossiler Brennstoffe auf die Beine zu stellen“, sagt Anne Sörensson von der Stadt Östersund. „Die Einführung von E-Bussen ist daher ein wegweisender Schritt.“ Und eine konsequente Entscheidung, denn lange schon engagiert sich die 50.000 Einwohner große Stadt in der schwedischen Provinz Jämtlands län für nachhaltige Verkehrskonzepte. Für das Modellprojekt in Kooperation mit Scania ist die Kommune bestens geeignet. „Östersund bietet aufgrund des saisonalen Klimas mit kalten Wintern und mäßig warmen Sommern den idealen Rahmen, um die Leistung von E-Bussen im operativen Einsatz zu erproben,“ so Karin Rådström, Head of Scania Buses and Coaches. „Die Pilotversuche stellen die erste Phase in der Entwicklung der batteriebetriebenen Busse dar.“

Drei Scania Citywide Low Floor sind im März an die Stadt übergeben worden. Sie verkehren auf einer 14 Kilometer langen, stark frequentierten Strecke, die aus 40 Haltepunkten besteht. Tom Terjesen, Redakteur der norwegischen Fachzeitschrift „Busmagasinet“ und Präsident der International Bus & Coach Jury, zeigte sich beeindruckt von den ersten Tests. Selbst bei der Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h seien keinerlei Antriebsgeräusche zu hören gewesen. Um die Busse mit Energie versorgen zu können, sind an den Endhaltestellen zwei Ladestationen entstanden. Dort laden die E-Busse zehn Minuten auf, bevor sie ihren Weg fortsetzen. Täglich absolvieren sie rund 100 Fahrten. Im kommenden Jahr sollen weitere E-Busse hinzukommen.

2.100 Kilometer südlich von Östersund stehen E-Busse ebenfalls hoch im Kurs: Die Stadt München möchte den öffentlichen Nahverkehr bis zum Jahr 2030 elektrifizieren. Bedenkt man die Zeit, die seit der Erfindung der Dieseltechnologie vergangen ist, ist das ein geradezu rasendes Tempo. Der Motor, der heute noch einen Großteil der Busse antreibt, hatte mehr als 100 Jahre Zeit, um technisch auszureifen. Noch dazu findet der Wandel hin zur Elektrifizierung unter verschärften Bedingungen statt: Immer mehr Menschen zieht es in die großen Städte. Und die bringen neben ihren eigenen Fahrzeugen auch ganz persönliche Bedürfnisse mit, weshalb immer mehr Waren und Güter in die Stadt transportiert werden. Eine steigende Anzahl von Verkehrsteilnehmern muss sich einen knapper werdenden Straßenraum teilen.

Wir stehen am Beginn einer neuen Ära“, sagt Ralf Willrett, Buschef der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG). Es sei nicht damit getan, einfach Verbrennungs- gegen Elektromotoren auszutauschen. Ein elektrisch angetriebenes Fahrzeug könne auf der Ludwigstraße genauso im Stau stehen wie ein konventionell angetriebener Bus. Wichtig sei es, den Stadtverkehr nicht nur nachhaltiger zu gestalten, sondern auch effizienter und intelligenter. Dazu gehören aus Sicht von Stefan Sahlmann neue Softwarelösungen für das Lademanagement der Batterien genauso wie optimierte Haltestellennetze. „Wenn ich nur zweimal statt viermal umsteigen muss, dann beschleunigt mich das viel mehr, als wenn der Bus drei Stundenkilometer schneller ist“, ergänzt Sahlmann. Der Wirtschaftsingenieur ist Leiter von MAN Transport Solutions. Seine Beratungseinheit unterstützt öffentliche Verkehrsbetriebe und private Flottenbetreiber bei der Umstellung auf alternative Antriebe. Seit Ende 2016 besteht zwischen MAN Truck & Bus und der Stadt München eine Innovationspartnerschaft, in deren Rahmen unter anderem auch E-Busse von MAN im Feldversuch durch die bayerische Hauptstadt rollen werden.

Noch vor 2020 wird die erste elektrische Stadtbus-Generation von MAN Truck & Bus auf den Markt kommen – auf der Basis des Mitte März vorgestellten neuen MAN Lion’s City. Nachhaltig. Effizient. Intelligent. Und komfortabel. Je ausgereifter die Qualität des Angebots, desto größer ist die Chance, möglichst viele Menschen zu einem Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel zu motivieren. Für München ist das essentiell. In Hamburg ist das nicht anders. Ab 2020 will die Hansestadt auf emissionsfreie Busse setzen. Auch hier besteht eine enge Partnerschaft zwischen der Hamburger Hochbahn, den Verkehrsbetrieben Schleswig-Holstein und MAN Truck & Bus. „Diese Zusammenarbeit ermöglicht es uns, konkrete Fragestellungen zügiger als bisher in technische Lösungen umzusetzen“, sagt Felix Kybart, Leiter Alternative Antriebe bei MAN Truck & Bus. „Bei dieser Kooperation geht es nicht nur darum, Fahrzeuge zu liefern, sondern auch aktiv in einen Dialog zu treten, um maßgeschneiderte Lösungen für die Stadt Hamburg realisieren zu können.“

Allein in Deutschland sind rund 40.000 Busse im Personennahverkehr unterwegs. Die meisten werden mit Diesel betrieben. Um die Schadstoffbelastung insbesondere in den Innenstädten zu verringern, gehen immer mehr Kommunen in die Offensive. München und Hamburg sind nur zwei Beispiele. Eine Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC offenbart ein enormes Potenzial für die Hersteller. In den kommenden drei Jahren seien Bestellungen in jeweils dreistelliger Höhe geplant, sodass in den deutschen Städten bis Ende 2021 mehr als 500 Elektrobusse im Linienverkehr unterwegs sein dürften. Die derzeit ambitioniertesten Pläne verfolgt Wiesbaden. Bis zum Jahr 2022 soll der Nahverkehr der hessischen Landeshauptstadt emissionsfrei sein. Vor diesem Hintergrund ist die Beschaffung von 225 E-Bussen vorgesehen. Den Analysen von PwC zufolge wollen die kommunalen Verkehrsbetriebe bis 2031 insgesamt 821 E-Busse ordern. Hansjörg Arnold, Leiter des PwC-Bereiches Infrastructure & Mobility, erwartet, dass sich diese Zahl deutlich erhöhen wird, da der Großteil der Ausschreibungen noch ausstehe.

Bei der Serienfertigung ihrer E-Busse werden Scania und MAN Truck & Bus auf einen gemeinsamen elektrischen Antriebsstrang zurückgreifen. Dieser e-Drivetrain ist als Baukastenmodul konzipiert – und soll künftig in allen elektrischen Modellen eingesetzt werden. „Durch die Verwendung von Technologien über die Marken hinweg können wir Doppelarbeit vermeiden und Synergien heben“, sagt Anders Nielsen, Chief Technology Officer von Volkswagen Truck & Bus. „Das ermöglicht es uns, Forschungs- und Entwicklungsressourcen auf neue Technologien zu konzentrieren sowie schneller und kosteneffizienter auf den auf den Markt zu kommen.“ Im Rahmen dieser Kooperation trägt jeweils eine Marke die Verantwortung für ein Entwicklungsprojekt. Die Koordination für dieses „Lead Engineering“ liegt im zentralen Bereich Forschung und Entwicklung. „So sind wir in der Lage, zeitgleich und mit derselben Intensität mehrere große Projekte zu realisieren und unterschiedliche Themen zügig zu entwickeln“, macht Nielsen die Vorteile deutlich. Auch der strategische Partner Navistar in den USA profitiert davon.

Den e-Drivetrain wird Navistar ab 2020 in einem elektrischen Verteiler-Lkw einsetzen. Bereits auf der Straße zu sehen ist der chargE, ein Schulbus, den IC Bus gemeinsam mit Volkswagen Truck & Bus konzipiert hat. IC Bus ist eine Marke von Navistar. Am 24. März startete der Prototyp zu einer Roadshow, um die neue Technologie der Öffentlichkeit zu präsentieren. Die Tour beinhaltet Stopps auf Messen und in Schulen. Los ging es beim 50. Jahrestreffen des California Association of School Transportation in San Diego. „Offensiv gehen wir im Rahmen dieser Tour auf unsere Kunden zu, um ihr Feedback einzuholen. Diese Anregungen lassen wir in die Weiterentwicklung von Fahrzeug und Design einfließen. Das ist ein Teil unserer Philosophie, die wir DriverFirst nennen“, erzählt Trish Reed, Vice President und General Manager von IC Bus. Auch in den USA wächst das Interesse an emissionsfreien Bussen.  Volkswagen Truck & Bus mit seinen Marken und Partnern sieht es als seine Aufgabe, einen Beitrag zum nachhaltigen Umbau des öffentlichen Nahverkehrs zu leisten. Weltweit. Oberstes Ziel ist es dabei, Betreibern zuverlässige und effiziente Lösungen zu bieten. Nur so kann der Wandel gelingen.