Vor allem in Städten zählen Feinstaub-, Kohlendioxid- und Lärmemissionen zu den größten Herausforderungen. Eine große Chance, diese Emissionen zu verringern, bieten verbesserte Antriebskonzepte bei Stadtbussen sowie im Liefer- und Verteilerverkehr – also beispielsweise bei der Belieferung von Supermärkten mit Waren.

Natürlich wurde in den vergangenen Jahren schon sehr viel erreicht. Die Katalysator-Technik hat sich etabliert, Motoren sind effizienter und damit sauberer geworden. Gerade Nutzfahrzeuge haben im Bereich der Emissionsvermeidung einen großen Schritt nach vorne gemacht. Allein die Einführung der Abgasnorm Euro 6 senkte die Grenzwerte für Lkw bei Partikeln um etwa 67 Prozent und bei Stickstoffoxiden sogar um 80 Prozent gegenüber Euro 5. Dennoch sind wir noch nicht am Ziel. Die aktuellen Herausforderungen – Stichworte: Feinstaubbelastung, Dieselfahrverbote et cetera – verlangen nach weiterreichenden Lösungen.

Unterschiedliche Dimensionen des Problems

Verschmutzung, erklärt Rodrigo Chaves von Volkswagen Truck & Bus, habe unterschiedliche Ausprägungen. Der ungenaue Sammelbegriff müsse zunächst aufgebrochen und in seine unterschiedlichen Facetten zerlegt werden. Nur wenn die einzelnen Elemente hinlänglich verstanden und in einem zweiten Schritt speziell bekämpft würden, käme man auf dem Weg hin zu einer sauberen Transportindustrie weiter.

„Die Zukunft des innerstädtischen Transportwesens wird elektrisch sein. Daran gibt es keinen Zweifel.“

Rodrigo Chaves, Volkswagen Truck & Bus

Die erste Unterscheidung, so Chaves, sei die zwischen der lokalen und der globalen Emission. Während die globale Verschmutzung ihre Ursache in erster Linie im Fernverkehr habe und in einer steigenden CO₂-Belastung sichtbar würde, hätten lokale Emissionen verschiedene Facetten. Es gehe um Lärmbelastung, um Feinstaub- und Partikelausstoß. Mit anderen Worten: Die Problematik des Verbrennungsmotors im Fernverkehr sei eine andere als die des Lieferverkehrs in den Städten.

Roadmap mit zwei Stoßrichtungen

Alle Marken der Volkswagen Truck & Bus Gruppe arbeiten intensiv zusammen, um gemeinsame Alternativen zu erarbeiten. Ganz grundsätzlich sieht die Roadmap zwei unterschiedliche Stoßrichtungen vor: Die Zukunft des innerstädtischen Transportwesens werde elektrisch sein, daran könne es keinen Zweifel geben. Im außerstädtischen Bereich, also im Fernverkehr, konkurrierten unterschiedliche Varianten.

Das Ziel, den urbanen Güter- und Personentransport zu elektrifizieren, ist klar – insofern kann hier mit konkreten Planungs- und Umsetzungsmaßnahmen begonnen werden. Volkswagen Truck & Bus arbeite an einer optimierten Batterielösung sowie einem auf die Bedürfnisse von Trucks und Bussen zugeschnittenen Elektromotor. Die ersten Kennzahlen sind vielversprechend: Der Motor wird 260 kW bei 5.500 Nm leisten, es sind Motoren mit und ohne Getriebe geplant. Dieser modulare Antriebsstrang soll künftig in Bussen und Lkw gleichermaßen zum Einsatz kommen.

Standardisierte Ladetechnik gefordert

Feinstaub-, Kohlendioxid- und Lärmemissionen zählen vor allem in Städten zu den größten Herausforderungen.
Feinstaub-, Kohlendioxid- und Lärmemissionen zählen vor allem in Städten zu den größten Herausforderungen.

Ein optimierter Antrieb ist ein fest definierter Meilenstein auf der Roadmap hin zur Elektromobilität. Nun stellt sich die Frage nach der optimalen Ladetechnologie bzw. nach den urbanen Lademöglichkeiten. Denn die Entwickler von Volkswagen Truck & Bus stehen vor einem bunten, aber unübersichtlichen Strauß an derzeit gängigen Ladetechnologien: Es gibt unterschiedliche Stecker-Systeme für das Laden an der Ladesäule, es gibt verschiedene Techniken des kabellosen Ladens. Aus diesem Grund plädieren die Experten vehement für eine einheitliche, standardisierte Lösung. Konkretisiert wird das Dilemma am Beispiel der elektrischen Stadtbusse.

Es konkurrieren aktuell zwei unterschiedliche Modelle des Aufladens: nachts im Depot oder unterwegs, etwa an einzelnen Haltestellen. Das Aufladen im Depot erfordere größere und schwerere Akkus, im Gegenzug ermögliche diese Technologie eine höhere Flexibilität bei niedrigeren Infrastrukturkosten. Das dezentrale Laden erfordere zwar nur kleinere Batterien und verspreche eine enorme Flexibilität. Demgegenüber stünden aber hohe Infrastrukturkosten, eine geringere Flexibilität im täglichen Einsatz und – besonders ärgerlich für die Fahrgäste – deutlich längere Wartezeiten an der Haltestelle.

Feinstaubbelastung bei null

Welche der beiden Varianten sich durchsetzen wird – oder ob es zu einer Kombination beider Lösungen kommt – die Zukunft des Transportwesens im innerstädtischen Raum wird elektrisch sein. Damit ließe sich eine deutliche Lärmreduktion erzielen, zudem wäre die Feinstaubbelastung bei null.

Offen ist hingegen die Antwort auf die Frage, wie die Zukunft im Fernverkehr aussieht. Hier ist die noch überschaubare Reichweite bei batteriebetriebenen Trucks ein limitierendes Moment. Gerade wenn Zusatzleistungen – Heizung oder Klimaanlage – erforderlich sind, ist die Kapazität der Akkus großen Schwankungen unterworfen. Vor allem aber würden die Batterien so viel Gewicht und Platz rauben, dass der Spediteur viel weniger transportieren und nicht mehr profitabel wirtschaften könnte. Volkswagen Truck & Bus arbeitet deshalb an weiteren alternativen Antriebslösungen wie synthetischem Diesel oder Flüssiggas.