VWTB: Was ist denn das eigentlich für ein Fahrzeug?
Vågstedt: Die Basis ist ein ganz normaler Hybrid, den man mit Oberleitungen über der Straße verbinden kann. Und das machen wir – wir fahren diesen Truck komplett elektrisch, ganz ohne große und schwere Batterien. Das lässt sich theoretisch über sehr weite Strecken realisieren.

Der Electric Road Truck G 360 auf dem Innovation Day 2017 in Hamburg.
Der Electric Road Truck G 360 auf dem Innovation Day 2017 in Hamburg.

VWTB: Zumindest, so lange die Leitung oberhalb der Straße reicht.
Vågstedt: Ja, allerdings ist es ja auch ein Hybrid, den man ganz normal, also auch ohne die Oberleitung, fahren kann. Beim Überholen beispielsweise. Es lässt sich sehr einfach trennen und wieder verbinden.

VWTB: Das klingt doch sehr komplex.
Vågstedt: Nein, das Gegenteil ist der Fall. Wir bringen einfach zwei Sachen zusammen. Die Leitung und den Stromabnehmer. Das gibt es in Zügen und Straßenbahnen auch. Diese Technologie ist weitgehend bekannt. Und das zweite Element, den Hybrid, haben wir auch schon lange im Portfolio.

Nils-Gunnar Vågstedt, Head of Electric and Hybrid Powertrain Technology bei Scania

„Diese Technologie ist nur eine von vielen Möglichkeiten auf dem Weg hin zu einer sauberen Art des Transportwesens.“

Nils-Gunnar Vågstedt

VWTB: Ist dieser Truck ein Prototyp, oder gilt die Technologie schon als etabliert?
Vågstedt: Es ist kein Prototyp, der Truck ist für Kunden im Einsatz. Wir fahren mit diesen Truck auf einer Strecke in Schweden, und das tun wir schon seit eineinhalb Jahren. Erst kürzlich haben wir ein zweites Fahrzeug übergeben. Diese Technologie ist eine von vielen Möglichkeiten auf dem Weg hin zu einer sauberen Art des Transportwesens.

VWTB: Die Technologie zeigt aber, was mit Elektromotoren möglich wäre, wenn es das limitierende Element der Batterien nicht gäbe, richtig?
Vågstedt: Genau. Diese Technologie zeigt uns, was wir tun könnten. Die Problematik mit den Batterien wäre ein Stück weit entschärft.

Auf einer Länge von zwei Kilometern verlaufen Kabel über der Fahrbahn.
Auf einer Länge von zwei Kilometern verlaufen Kabel über der Fahrbahn.

VWTB: Wie sieht die Strecke in Schweden aus?
Vågstedt: Auf einer Länge von zwei Kilometern verlaufen 700 V DC Stromleitungen über der Fahrbahn. Zwei Trucks nutzen die Strecke. Ich würde es als Pilotphase bezeichnen. An der Technik selbst arbeiten wir schon seit sieben Jahren, um genau zu sein. Und wir können heute zeigen, dass die Technologie funktioniert. Auf einer Länge von einem Kilometer könnten theoretisch zehn Trucks hintereinander fahren. Aktuell wird der Ausbau der Strecke auf eine Länge von 30 Kilometern diskutiert.